Was es bedeutet, effektive Risikomanagement-Entscheidungen zu treffen

-
05. November 2019
-
Christian Hugo Hoffmann

Es ist ein weit verbreiteter Irrglaube im Risikomanagement des Bankwesens, dass Logik und Mathematik in Wirtschaft und Finanzwirtschaft als Allheilmittel für alle Herausforderungen dienen, denen sich Risikomanager gegenübersehen. Vor dem Hintergrund der lauernden (Denk-)Fallen auf diesem Gebiet des Risikomanagements darf der Appell nach einer Vermeidungsstrategie nicht ignoriert werden.

Wir umreißen fünf Leitlinien, die auf dem Weg hin zur mehr Entscheidungskompetenz im Risikomanagement eingehalten werden sollten:

  1. Nehmen wir intellektuelle Bescheidenheit an und sehen dadurch ein, dass jeder Risikomanagementansatz erfolglos bleiben kann.
  2. Effektives Risikomanagement macht sich an gut informierten Entscheidungen fest, bei denen die Risiken den Entscheidungsträgern bekannt und verstanden sind.
  3. Das Verständnis von Risiken mündet wiederum nicht in einer Risikokontrolle, sondern schafft Raum für eine stärker systemorientierte Regulierung.
  4. Sensibilisieren wir uns für ein latentes Paradoxon: Effektives Risikomanagement kann bei dynamischer, systemischer Betrachtung an den Erwartungen scheitern.
  5. Praktische Weisheit ist Trumpf bei der Bestimmung der Entscheidungskompetenz: Formale Modellierung ist kein Ersatz für menschliches Urteilsvermögen bei der Risikobewertung. Letzteres sollte man auch vor dem Hintergrund des vermeintlichen Siegeszugs von Künstlicher Intelligenz im Auge behalten.

Einleitung

Es gibt eine Kunst, von der jeder Mensch ein Meister sein sollte, nämlich die Kunst der Reflexion. Durchschlagend ist sodann die Frage, die der englische Dichter Samuel Taylor Coleridge stellte: „Wenn du kein denkender Mensch bist, wozu bist du dann überhaupt ein Mensch?“ [Coleridge, 2015]. Daniel Kahneman unterscheidet zwischen schnellem Denken und langsamem Denken. Doch sowohl instinktives, respektive emotionales Denken (was er schnelles Denken nennt) und eher deliberatives, logisches oder analytisches Denken (was er als langsames Denken bezeichnet) können oberflächlich und schnell, aber auch vorzeitig und unzureichend sein. In unserer Zeit, in der analytisches und schnelles Denken oft gelobt, belohnt und überbewertet wird, könnte es tatsächlich aber irreleitend oder nur darum unerlässlich sein, weil wir zu spät begonnen haben, über ein Thema nachzudenken. Daher sollte das tiefgehende Denken – und als Sonderfall das kreative oder disruptive (Schumpeter) und das ganzheitliche oder systemische Denken (von Hayek) –, das Zeit braucht, gewürdigt und gefördert werden. Von Zeit zu Zeit müssen wir eben aus dem Strom der direkten Erfahrung und unseren unmittelbaren Reaktionen darauf aussteigen. Andernfalls besteht die veritable Gefahr, dass wir bloß auf dem vermeidbaren Weg zum Untergang und zur Katastrophe schnell unterwegs sind.

(...)

[Den vollständigen Artikel lesen Sie in der Fachzeitschrift RISIKO MANAGER 09/2019.
Die Ausgabe ist seit dem 30. Oktober 2019 lieferbar und kann auch einzeln bezogen werden.]

Autoren:
Dr. Christian Hugo Hoffmann
ist KI- und FinTech-Entrepreneur und Co-Founder von Syntherion, eines B2B-Softwareunternehmens für Risikomanagement. Er arbeitet daneben als Senior Scientist am Lehrstuhl für Entrepreneurial Risks an der ETH Zürich, berät das FinTech Innovation Lab der Universität Zürich und lehrt FinTech im Executive Programm an der Universität von Liechtenstein. Darüber hinaus ist Hoffmann als Autor aktiv.

Bildquelle: iStock.com/hadynyah